Die neue Website ist live und sieht besser aus als die alte, doch in der Search Console fallen Impressionen und Klicks. Nach einem Relaunch ist das ein bekanntes Muster. Google wertet vor allem aus, was im Code steht: URLs, Inhalte, Überschriften, interne Links und strukturierte Daten. Genau diese Signale ändern sich bei einem Relaunch oft, ohne dass es jemand bemerkt.
Prüfen Sie deshalb in dieser Reihenfolge: Indexierung, Weiterleitungen, Inhaltsumfang je Seite, Title und H1, zuletzt interne Links und strukturierte Daten. Jeder dieser fünf Schritte bestätigt oder verwirft eine mögliche Ursache. Vieles davon lässt sich reparieren, besonders wenn die alte Fassung der Website noch zum Vergleich vorliegt.
Kurzantwort: Warum Rankings nach einem Relaunch einbrechen
Rankings brechen nach einem Relaunch ein, wenn die neue Website Google weniger oder andere Signale liefert als die alte. Das passiert auf zwei Wegen: technisch, weil Seiten nicht mehr erreichbar oder nicht mehr indexierbar sind, oder inhaltlich, weil erreichbare Seiten weniger Relevanz für die Suchbegriffe tragen, zu denen sie vorher gefunden wurden.
Die technischen Ursachen stehen auf den üblichen Relaunch-Checklisten: fehlende 301-Weiterleitungen, ein vergessenes noindex aus der Staging-Umgebung, eine robots.txt, die ganze Bereiche sperrt. Die inhaltlichen Ursachen werden seltener geprüft, weil sie nicht auffallen. Alle URLs antworten mit Status 200, die Sitemap ist sauber, die Search Console meldet keine Fehler, und trotzdem verliert die Website Sichtbarkeit.
Ein Relaunch ohne einen einzigen technischen Fehler kann deshalb trotzdem Rankings kosten, wenn Texte gekürzt, Überschriften durch Markenclaims ersetzt oder interne Links entfernt wurden.
Normale Schwankung oder echter Schaden?
Eine kurze Schwankung nach dem Launch ist normal, ein anhaltender Verlust ohne Gegenbewegung ist es nicht. Google muss geänderte Seiten neu crawlen und neu bewerten. Für Umzüge mit neuen URLs schreibt Google, dass kleine bis mittelgroße Websites einige Wochen brauchen können, bis die meisten Seiten umgezogen sind (Google Search Central, Site moves with URL changes).
Drei Beobachtungen sprechen für echten Schaden statt für einen Übergang:
- Der Verlust betrifft Seiten, deren URL gleich geblieben ist. Mit geänderten Adressen hat das nichts zu tun, die Seite selbst liefert schwächere Signale als vorher.
- Wichtige Suchanfragen fallen weit, statt leicht zu schwanken. Ein Absturz von der ersten auf die dritte Ergebnisseite ist mehr als das übliche Auf und Ab nach einem Launch.
- Die Kurve fällt nach dem Launch und bleibt auf dem niedrigeren Niveau. Übergangseffekte gleichen sich von selbst aus, strukturelle Verluste bleiben.
Vergleichen Sie dafür immer gleich lange Zeitfenster, zum Beispiel die 28 Tage vor dem Launch mit den letzten 28 Tagen, und schauen Sie auf dieselben Seiten und Suchanfragen. Ein Vergleich von Kalendermonaten mischt unterschiedliche Wochentage, Feiertage und Saisoneffekte.
Die fünf Prüfschritte in der richtigen Reihenfolge
Die Reihenfolge richtet sich nach der Wirkung. Ein Fehler in Schritt 1 macht alle späteren Prüfungen wertlos, weil Google die betroffenen Seiten dann gar nicht bewertet.
1. Indexierung: Darf Google die Seiten überhaupt aufnehmen?
Prüfen Sie für die wichtigsten Seiten den Meta-Robots-Tag, den HTTP-Header X-Robots-Tag, die robots.txt und das Canonical. Typische Relaunch-Fehler sind ein noindex aus der Staging-Umgebung, ein Canonical, das noch auf die Testdomain zeigt, und eine robots.txt, die ganze Verzeichnisse sperrt. In der Search Console zeigt der Bericht “Seiten”, welche URLs aus welchem Grund nicht indexiert sind. Mit der URL-Prüfung sehen Sie für einzelne Seiten, was Google zuletzt erfasst hat.
2. Weiterleitungen: Kommt jede alte URL am richtigen Ziel an?
Jede alte URL mit Impressionen oder Backlinks braucht eine 301-Weiterleitung auf die inhaltlich passende neue Seite. Sammelweiterleitungen auf die Startseite oder eine Übersichtsseite verschenken die Relevanz der alten Seite. Typische Folgefehler sind Ketten aus mehreren Weiterleitungen, Weiterleitungen auf 404-Seiten und 302 statt 301. Google empfiehlt, Weiterleitungen nach einem Umzug mindestens ein Jahr bestehen zu lassen (Google Search Central, Site moves with URL changes).
Die Grundlage ist eine Liste aller alten URLs: aus der alten Sitemap, aus dem Leistungsbericht der Search Console (Tab “Seiten”) und aus einem Crawl der alten Website, falls sie noch irgendwo erreichbar ist. Diese Liste prüfen Sie Zeile für Zeile auf Statuscode und Ziel.
3. Inhaltsäquivalenz: Hat die neue Seite noch dieselbe Substanz?
Dieser Schritt wird leicht übersprungen, weil technisch alles funktioniert. Vergleichen Sie jede wichtige Seite in alter und neuer Fassung: Wortumfang des Hauptinhalts, Zahl und Themen der Abschnitte, FAQ, Tabellen, Beispiele. Wenn eine Leistungsseite von einem ausführlichen Text mit Ursachen, Ablauf und Fragen auf eine knappe Designseite schrumpft, fehlen Google genau die Passagen, zu denen die Seite vorher gefunden wurde.
Ein Muster aus unseren Relaunch-Analysen: Die Gliederung einer Seite bleibt erhalten, aber jeder Abschnitt wird kürzer, und ganze Blöcke wie “Woran Sie erkennen, dass …” oder “Typische Ursachen” fallen weg, weil das neue Layout keinen Platz für sie vorsieht. Gerade diese Blöcke beantworten lange, spezifische Suchanfragen, und die Impressionen dafür fehlen danach.
4. Relevanzsignale: Stehen die Suchbegriffe noch in Title und H1?
Google bildet den Titel eines Suchergebnisses unter anderem aus dem title-Element, dem sichtbaren Haupttitel der Seite und Überschriften wie der H1 (Google Search Central, Influencing title links). Das sind die sichtbarsten Stellen, an denen eine Seite sagt, worum es geht. Ersetzt ein Relaunch die H1 “Elektriker in München” durch einen Markenclaim wie “Energie, die ankommt.”, fehlt der Suchbegriff genau dort, auch wenn URL und Title gleich geblieben sind.
Prüfen Sie deshalb für jede Seite mit Suchnachfrage, ob der Hauptsuchbegriff im Title, in der H1 und in mindestens einer Zwischenüberschrift steht. Ein Claim darf die Seite prägen, er darf aber nicht ersetzen, was Suchende eintippen. Die einfachste Lösung ist oft eine zweizeilige H1: oben der Suchbegriff, darunter der Claim.
5. Interne Links und strukturierte Daten: Was wurde unbemerkt entfernt?
Neue Navigationen sind oft schlanker. Weggefallene Footer-Links, entfernte “Weiterlesen”-Blöcke unter Artikeln und fehlende Querverweise zwischen Leistungs- und Branchenseiten reduzieren die internen Links auf wichtige Seiten. Beim Wechsel des Systems verschwindet außerdem leicht strukturiertes Markup: FAQ-, Breadcrumb-, Article- oder Service-Schema, das die alte Website automatisch erzeugt hat.
Zählen Sie die internen Links je Zielseite vor und nach dem Relaunch und vergleichen Sie die Schema-Typen je Seitentyp. Beides erheben Sie mit einem Crawler, einmal über die alte Fassung, soweit sie noch als Kopie erreichbar ist, und einmal über die Live-Website.
Der Vorher-Nachher-Vergleich je URL
Die schnellste Diagnose ist ein strukturierter Vergleich der alten und neuen Fassung, Seite für Seite. Die alte Fassung finden Sie im Backup des Hosters, in der Versionsverwaltung der Agentur, in einer Staging-Kopie oder im Internet Archive (Wayback Machine).
| Signal | So prüfen Sie es | Warnsignal |
|---|---|---|
| Indexierbarkeit | Meta-Robots, X-Robots-Tag, robots.txt, Canonical | noindex, Canonical auf fremde URL, gesperrtes Verzeichnis |
| Statuscode alter URLs | Liste aller alten URLs gegen die Live-Website prüfen | 404, Kette, 302, Ziel ohne inhaltlichen Bezug |
| Wortumfang Hauptinhalt | Crawl alt gegen neu, nur der Hauptbereich ohne Navigation | deutlich weniger Text auf Seiten, die vorher Impressionen hatten |
| Title und H1 | Crawl-Export beider Fassungen nebeneinander | Hauptsuchbegriff fehlt in H1 oder Title |
| Abschnitte und FAQ | Liste der H2 alt gegen neu | Themenabschnitte oder FAQ ersatzlos entfernt |
| Interne Links | eingehende interne Links je Zielseite | wichtige Seiten mit deutlich weniger Verweisen |
| Strukturierte Daten | Schema-Typen je Seitentyp | FAQ, Breadcrumb, Article oder Service fehlen |
Priorisieren Sie das Ergebnis nach dem, was vor dem Relaunch Impressionen hatte. Eine Seite mit vielen Impressionen und halbiertem Inhalt geht vor zehn Seiten, die schon vorher kaum gefunden wurden.
Was sich zurückholen lässt und was nicht
Gute Chancen bestehen bei allem, was die Website selbst verändert hat: fehlende Weiterleitungen, entfernte Inhalte, verlorene Suchbegriffe in Überschriften, gelöschte interne Links und fehlendes Markup. Sobald die Ursache behoben ist und Google die Seiten neu gecrawlt hat, bewertet Google die reparierte Fassung. Eine Garantie auf die alten Positionen gibt es trotzdem nicht, weil sich in der Zwischenzeit auch Wettbewerber und Suchergebnisse verändern.
Schwieriger wird es in drei Fällen:
- Die alte Fassung ist nicht mehr rekonstruierbar. Ohne Backup oder Archiv fehlt die Vorlage, und die verlorenen Inhalte müssen neu erarbeitet werden.
- Der Relaunch fiel mit einem Google-Update zusammen. Dann überlagern sich zwei Effekte, und nicht jeder Verlust geht auf die neue Website zurück. Bestätigte Updates listet Google im Search Status Dashboard.
- Weiterleitungen haben lange gefehlt. Backlinks auf nicht mehr erreichbare URLs verlieren ihre Wirkung, und manche Websites entfernen Links, die ins Leere führen.
Je früher alte und neue Fassung verglichen werden, desto mehr Sichtbarkeit lässt sich zurückholen.
Die Reparatur in der richtigen Reihenfolge
- Sperren entfernen: noindex, robots.txt, Canonicals. Danach die Sitemap neu einreichen und für die wichtigsten URLs über die URL-Prüfung die Indexierung beantragen.
- Weiterleitungen korrigieren: jede alte URL mit Impressionen auf ihr inhaltliches Gegenstück, als 301, ohne Ketten.
- Substanz zurückbringen: gekürzte Abschnitte, FAQ und Beispiele auf den Seiten mit den größten Verlusten wieder einsetzen. Das neue Design darf bleiben, der Inhalt muss zurück.
- Relevanzsignale wiederherstellen: Hauptsuchbegriff in Title und H1, der Claim als zweite Zeile.
- Interne Links und Markup ergänzen: Weiterlesen-Blöcke, Querverweise zwischen Leistungen, Branchen und Artikeln, FAQ- und Breadcrumb-Schema.
- Suchmaschinen informieren und messen: geänderte URLs in der Search Console erneut prüfen lassen, Bing und andere Suchmaschinen per IndexNow benachrichtigen und danach gleich lange Zeitfenster vor und nach der Reparatur vergleichen, je Seite und je Suchanfrage.
Wer die Reihenfolge umdreht und zuerst Texte umschreibt, während noch ein noindex aktiv ist, verliert Wochen.
Wann Sie Hilfe holen sollten
Wenn nach dem Vergleich unklar bleibt, welche Veränderung den Verlust ausgelöst hat, oder wenn die alte Website nicht mehr verfügbar ist, lohnt eine strukturierte Diagnose. Unsere SEO-Recovery beginnt mit einem Recovery-Audit, das alte und neue Fassung je URL abgleicht, und liefert eine priorisierte Schadensliste mit einer Einschätzung je Punkt. Wer den Relaunch noch vor sich hat, findet die Vorbeugung im Artikel Website-Relaunch ohne Rankingverlust und auf der Seite zum Website-Relaunch mit SEO-Migration. Für eine Bestandsaufnahme ohne akuten Einbruch ist ein SEO-Audit der richtige Einstieg.
Relaunch-Einbruch prüfen lassen
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis Rankings nach einem Relaunch zurückkommen?
Das hängt von der Ursache ab. Nach behobenen technischen Fehlern reagiert Google, sobald die Seiten neu gecrawlt sind. Für Umzüge mit neuen URLs nennt Google bei kleinen bis mittelgroßen Websites einige Wochen, bis die meisten Seiten umgezogen sind. Inhaltliche Reparaturen können länger dauern, weil Google die überarbeiteten Seiten erst neu bewerten muss.
Sollte ich den Relaunch rückgängig machen?
Selten. Ein Rollback ist ein zweiter Umzug mit eigenen Risiken. Meist ist es schneller, die konkreten Unterschiede zwischen alter und neuer Fassung zu finden und auf der neuen Website zu beheben.
Alle Weiterleitungen funktionieren, trotzdem fallen die Rankings. Woran liegt das?
Dann liegt die Ursache meist im Inhalt oder in den Relevanzsignalen: gekürzte Texte, fehlende Abschnitte, eine H1 ohne Suchbegriff, weniger interne Links oder entferntes Schema. Ein Vergleich der alten und neuen Fassung je URL zeigt, was sich geändert hat.
Wo finde ich die alte Version meiner Website?
Im Backup des Hosters, in der Versionsverwaltung der Agentur, in einer Staging-Kopie oder im Internet Archive (Wayback Machine). Für den Vergleich reichen die wichtigsten Seiten mit ihren Texten, Überschriften und Links.
Hilft es, die Sitemap erneut einzureichen?
Eine aktuelle Sitemap hilft Google, geänderte Seiten zu finden, behebt aber keine Ursache. Sie wirkt erst, wenn Sperren, Weiterleitungen und Inhalte in Ordnung sind.
Quellen:
- Google Search Central, Site moves with URL changes: Dauer eines Umzugs bei kleinen und mittelgroßen Websites, Weiterleitungen mindestens ein Jahr bestehen lassen
- Google Search Central, Influencing title links: title-Element, sichtbarer Haupttitel und Überschriften wie die H1 als Quellen für den Titel im Suchergebnis
- Google Search Status Dashboard: bestätigte Updates und Störungen der Google-Suche
